AZ-Serie: Einrichtung widmet sich verstärkt dem Thema Klima – Teilnahme an ESA-Projekt

Von Andrea Posselt

Calberlah. Ein Blick in die Aula der Realschule Calberlah zeigt: Schon wenige Schüler produzieren in wenigen Wochen riesige Mengen Plastikmüll. Symbolisch ist dort ein Fisch mit dem Abfall gefüllt. Thematisch aufgearbeitet haben die Schüler das beim Earthday Ende letzten Jahres. Wie es dazu kam, was daraus folgte und was die Schule sonst in Sachen Umwelt macht, das beleuchtet die AZ bei einem Besuch im Rahmen der Serie „Umwelt macht Schule“.

„Die Kinder bringen großes Interesse für das Thema mit“, sagt Lehrerin Maike Engelbach. Und so war es fast kein Zufall mehr, dass die Earthday-Idee auf ein Textstudium im Deutsch-Unterricht zurückging. Im Text ging es etwa um die Vermüllung der Meere. „Da habe ich gemerkt, dass das die Schüler sehr interessiert.“ So kam der Stein ins Rollen, eine neunte Klasse arbeitete das Thema auf. Ein Slogan war schnell gefunden: „Erst vergiften wir den Ozean, dann uns selbst.“ Lena (15) erinnert sich, was sie angesichts der großen Menge gesammelten Plastikmüll dachte: „Das ist nicht so toll für die Umwelt.“ Am Earthday gab es zum Thema Vorträge, auch wurden Alternativen zu Alltagsgegenständen aus Plastik gezeigt. „Wir haben auch erfahren, dass das Trinken aus Plastikflaschen nicht gut für die Gesundheit ist, echt schrecklich“, so Lara (15). „Wenn alle Schüler Plastikmüll gesammelt hätten, dann wäre die ganze Aula voll gewesen“, sind nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer Steffen Jauch baff angesichts der Menge. Fast wie ein Mahnmal steht der Fisch jetzt noch in der Aula. Zum Konzept des Earthdays gehörte auch eine Tombola – der Erlös geht folgerichtig an den Nabu. Die Neuauflage, dann mit anderem Thema, ist so gut wie sicher.

In die heiße Phase geht nun ein zweites Projekt, das regelrecht abgehoben ist – oder es zumindest bald tut. Und das kam so: Seit Jahren gehört das Thema Raumfahrt zum festen Bestandteil der Schule. Jüngstes Projekt unter den Fittichen von Jauch, der selbst Raumfahrt-Fan ist: Manuel (16) hat für ein Erdbeobachtungsprojekt einen Mikrocomputer programmiert, der den Chlorophyll-Gehalt von Pflanzen ermitteln kann. „Ein Herzensprojekt“, sagt das Informatik-Genie und führt beim Besuch vor, wie es funktioniert, hält ein Messgerät an eine Echtpflanze. Am Boden in Calberlah ist das Gerät schon getestet und für gut befunden, Lara (15) führt dabei die wissenschaftlichen Protokolle.

Nun warten die Schüler gespannt darauf, ob die Europäische Weltraumorganisation ESA das selbst erstellte Modell absegnet und es dann in der Raumstation ISS zum Einsatz kommt. Drei Stunden lang würden die Daten des Calberlaher Computers live Gebiete der Erde analysieren. „Ein Traum, wenn wir einen Zeitkorridor bekommen, der Amazonas, Europa und Asien abdeckt“, sagt Lehrer Jauch. „Wir können dann mit den Bildern zeigen, dass es Umweltzerstörung auf der Erde wirklich gibt.“

Und schon steht das nächste Umwelt-Projekt vor der Tür: Im Sommer soll ein Schulgarten entstehen. Und der wird bei der Technik- und Informatikbegeisterten Schule ein ganz besonderer. Jauch: „Unser Schulgarten wird smart. Sensoren steuern etwa die Bewässerung und dokumentieren das Wachstum.“ Clou: Sogar einen eigenen Twitter-Account soll der Schulgarten bekommen. Merlin (15): „Ich baue schon jetzt an einem Gartenhäuschen.“

Für jüngere und ältere Schüler ist das Projekt gedacht. Schüler wie Damian (17) finden es toll, dass ihre Schule den Umweltschutz in dieser Form thematisch aufgreift. „Schön ist, dass alle hier an der Schule eingebunden sind. Aber es sollte nicht nur uns Schüler was angehen“, meint er. „Denn es muss dringend etwas passieren.“ Lehrerin Maike Engelbach ist sicher, dass die Schule am Ball bleibt: „Das Thema Umwelt ist absolut wichtig, wenn man sich all die Katastrophen anschaut, die auf der Welt passieren.“

aus: Aller-Zeitung vom 22.02.2020, Seite 22

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