Realschule Calberlah will sich mit neuem Konzept zukunftssicher aufstellen
Von Dennis Klüting
Calberlah. Während sich die moderne Pädagogik in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt hat, ist die Schularchitektur weitgehend unverändert geblieben. Das möchte das Lehrerkollegium der Realschule Calberlah ändern: Die Umwandlung einzelner Klassenräume sowie nicht schulisch genutzter Räume in Differenzierungsräume soll dazu beitragen, sich besser auf die geänderten Anforderungen einzustellen. „Heute wissen wir: 65 Prozent der Kinder, die derzeit in die Grundschule kommen, werden später Be- rufe ausüben, die es noch gar nicht gibt“, begründet das Kollegium den Wunsch. „Deshalb müssen wir selbstständiges und individuelles Lernen ermöglichen, um unsere Schülerinnen und Schüler fit für die Zukunft zu machen.“ Die Gestaltung und Nutzung der Räume habe einen enormen Einfluss auf den Lernerfolg: „Wie Studien belegen, kann ein und dasselbe Lernsetting in zwei verschieden gestalteten Räumen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen. Der Raum wird dabei zum , dritten „Raum als dritter Pädagoge“
Realschule Calberlah will sich mit neuem Konzept zukunftssicher aufstellen
Pädagogen‘ neben Lehrkraft und Mitschülern“ , argumentieren die Lehrkräfte. „Wenn wir Schülerinnen und Schüler in enge Bänke, einsperren‘, wie sie vor 100 Jahren produziert wurden, kann sich keine Selbstlernkompetenz entwickeln. Wir brauchen Fläche, damit sich Individualität entfalten kann.“ Zudem hat sich die Realschule Calberlah nach dem Aus der Oberschule wieder zu einem attraktiven Schulstandort entwickelt, der von 376 Schülern besucht wird. Aktuell werden 16 allgemeine Unterrichtsräume benötigt. Die Prognose geht davon aus, dass ab dem Schuljahr 2027/2028 wahrscheinlich 18 allgemeine Unterrichtsräume benötigt werden.
Was ist der Unterschied?
Mit flexiblen Raumkonzepten soll den unterschiedlichen Lernweisen und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler besser entsprochen werden. Die Differenzierungsräume sollen unterschiedliche Lernzonen beinhalten: ruhige Bereiche für Einzelarbeit und Reflexion, Räume für Gruppenarbeiten und Projektlernen sowie Bereiche für gemeinsame Instruktionsphasen. Diese Flexibilität spiegele die Vielfalt wider, die später im Arbeitsleben von den Schülerinnen und Schülern erwartet werde. „So können wir problemlösendes und kreatives Denken fördern – Fähigkeiten, die für das 21. Jahrhundert essenziell sind“, sind die Lehrkräfte überzeugt. Insgesamt sollen sechs allgemeine Klassenräume mit einer Fläche von jeweils 50 bis 60 Quadratmetern in flexible Differenzierungsräume nach dem Prinzip „Klassenraum- Plus“ umgewandelt werden. Die Kosten belaufen sich auf 11.000 Euro pro Raum.
Neue Strukturen erforderlich
Thomas Seeliger vom Schulleitungsteam betont: „Schulen müssen sich verändern. “ Den Schülern müssten heute andere Arbeitsweise als nur Frontalunterricht vermittelt werden. „Daher setzen wir auf vielseitige Differenzierungsräume. “ Parallel arbeite das Kollegium an einer Neustrukturierung des Zeittakts. „Die bestehenden Strukturen sind über 100 Jahre alt und entsprechen heute einfach nicht mehr den Anforderungen, um besser auf einen Einstieg ins Berufsleben vor- zubereiten“, sagt Seeliger. Dank eines Modellversuchs des Landes unter dem Titel „Freiräume“ verfüge die Realschule über Möglichkeiten, neue Wege beschreiten zu können. „Das ist ein großartiges Projekt, mit dem wir neue Strukturen entwickeln können“, lobt Thomas Seeliger. Als Beispiel für die erfolgreiche Umstrukturierung nennt der Schulleiter das Projekt „Frei-Day“: „In vier Stunden pro Woche können die Schülerinnen und Schüler an Projekten arbeiten, die sie sich selbst aussuchen, etwa eine Photovoltaikanlage oder die Unterstützung eines Tierheims. “
Der Isenbütteler Samtgemeinderat beschloss den Umbau der sechs Räumlichkeiten in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit. Die erforderlichen Mittel von 66.000 Euro werden über den Zeitraum von drei Jahren zur Verfügung gestellt.
aus der Aller-Zeitung vom 9. Januar 2025
